Ich schreibe euch heute die Geschichte von Ganga!

Wie Ganga auf die Erde kam

Vor langer Zeit lebte ein großer König, der hatte 1001 Söhne. Eines Tages aber möchte er, um seine Macht zu beweisen, ein heiliges Pferdeopfer vollbringen. Dazu muss ein Pferd ein Jahr lang frei durch die Lande streifen. Alle Gebiete, welche es dabei durchquert, sollen des Königs Eigentum werden. Während seiner Wanderschaft wird das Pferd durch die Gefolgsleute des Königs verfolgt und überwacht. Doch dieses spezielle Pferd läuft einfach davon und geht verloren. Dies ist natürlich eine große Katastrophe und verheißt unermessliches Unglück.

In seine Not schickt der König 1000 seiner Söhne auf die Suche. Sie benehmen sich allerdings nicht rechtens und ärgern die Götter. Auf ihrer Suche durchqueren sie viele Länder und hinterlassen eine Spur an verärgerten Menschen und Göttern. Da sie auf der Erdoberfläche das Pferd nicht finden können, graben sie sich immer tiefer in die Erde hinab, bis sie zu den vier riesigen Elefanten gelangen, welche die Erde tragen. Hier sehen sie das gesuchte Pferd friedlich bei einem Asketen zwischen den Beinen der Elefanten grasen. Sie beschimpfen den Asketen und benehmen sich unflätig. Dieser Asket ist nun aber kein anderer als der große Gott „Vishnu“ höchstpersönlich, der ihre Redlichkeit auf eine Probe stellen will. Ganz offensichtlich haben sie diese Prüfung nicht bestanden. Mit einem Blick verbrennt er alle 1000 Söhne zu Asche.

Langsam sorgt sich der König um seine Söhne, da sie nicht heimkehren. Daher sendet er seinen Enkel „Bhagirathi“ auf die Suche. Dieser führt schon immer ein sehr rechtschaffenes Leben und findet den Aschehaufen der 1000 Söhne schnell. Er benimmt sich den Asketen gegenüber ehrerbietig, woraufhin dieser ihm ein Wunsch gewährt. Nach indischer Philosophie muss die Asche von Verstorbenen durch heiliges Wasser reingewaschen werden, damit sie ihren Frieden finden können. Daher bittet der Enkel, dass ein heiliger Fluss in die Unterwelt zu der Asche seiner Onkels vordringe.

Die Götter beschließen, Ganga die Flussgöttin auf die Erde zu schicken, vergessen jedoch, sie vorher um Einverständnis zu bitten. Darüber ist sie wutentbrannt  und wäre mit einer derartigen Wucht auf die Erde hinabgestürzt, dass sie diese zerstört hätte. Also stellt „Shiva“ sich unter sie, um ihre Wucht abzufangen. Ganga verfängt sich über mehrere Jahre in Shivas dread locks und kommt dann sehr gemäßigt auf die Erde. Hier wird sie von den „Rishis“ über eine lange Strecke bis zur Asche in der Unterwelt geleitet und sorgt für die Erlösung der Seelen der 1000 Söhne. Da eigentlich „Bhagirathi“, der Enkel des Königs, dafür sorgt, dass Ganga auf die Erde kommt, wird Ganga auch Bhagirathi genannt.

Bis zum heutigen Tag wird die Asche der Verstorbenen im Fluss Ganges gereinigt. Und bis zum heutigen Tag spielt Ganga in Shivas Haaren, was dessen Frau „Paravati“ manchmal doch massiv irritiert ….

Ich hoffe euch gefällt die Geschichte!